Aus dem wilden Herzen leben

Aus dem wilden Herzen leben

– authentisch, frei und verbunden

Was soll das sein, das „wilde Herz“?
Es ist das Herz, das verbunden ist mit dem Sein, mit den eigenen Bedürfnissen und Sehnsüchten. Das ungezähmte Herz.

Mit dem Herzen verhält es sich wie mit einem wilden Vogel. Wird er eingesperrt, singt er nicht mehr. Er ist seiner wirklichen Natur beraubt. Wir Menschen sehnen uns nach Zugehörigkeit, möchten geschätzt und geliebt werden. Es ist ein tiefer menschlicher Wunsch, Teil von etwas Größerem zu sein, Verbundenheit zu erleben. Das ist wichtig für gelingendes Leben.

Wenn wir unser wildes Herz verleugnen…

…wenn wir uns verbiegen, um anderen zu gefallen, verlieren wir das, was uns ausmacht. Wie der wilde Vogel werden wir stumm, verlieren unsere Begeisterung und dann auch unsere Anziehungskraft. Je mehr wir uns verbiegen, um so mehr entfernen wir uns von unserem wilden Herzen. Wir wollten uns dadurch Nähe und Verbundenheit sichern, fühlen uns aber zunehmend einsam und allein. Zum Verzweifeln. Spüren immer mehr schwierige Gefühle, die wir nicht haben wollen. Betäuben uns mit Ablenkungen, bloß keine Langeweile aufkommen lassen… Gönnen uns keine Pause, um nicht fühlen zu müssen.

Aber unsere Gefühle sind wertvolle innere Wegweiser für ein erfülltes Leben! Brené Brown, eine amerikanische Sozialwissenschaftlerin, hat viel geforscht zu diesem Thema. Sie schreibt, es geht darum „So vollständig zu sich selbst gehören, dass man bereit ist, ganz allein zu sein.“ Das scheint das krasse Gegenteil von Zugehörigkeit zu sein! Nein, es ist eher die Veraussetzung für wirkliche Verbundenheit! Denn nur, wenn wir wirklich mit uns selbst verbunden sind, unsere inneren Schätze und auch unsere Sehnsüchte wahrnehmen, können wir uns auch einbringen im Kontakt mit anderen. Nur dann können wir unsere inneren Schätze auch teilen mit anderen.

„Bereit sein, ganz allein zu sein,“ das erfordert natürlich Mut. Der Preis ist hoch, die Belohnung auch! Denn dann werden Begegnungen berühren und erfüllen!

Die Maske der Unverletzlichkeit

Eine Spielart, eigene Ängste zu verleugnen, ist die Maske der Unverletzlichkeit. Viele Jugendliche wollen unbedingt „cool“ rüberkommen. Auch das hat einen hohen Preis: Zum einen führt es auch dazu, dass sie ihr wildes Herz verleugnen und sich immer weniger spüren. Obwohl sie das tun, um Gemeinschaft zu fühlen, erleben sie das Gegenteil. Zusätzlich geben sie sich selbst die Schuld dafür. Reden sich ein, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, weil es nicht klappt mit der Coolness. Was sich mindestens genauso zerstörerisch auswirkt: Sie machen es anderen schwer, mitzukriegen, was sie fühlen, was sie sich wünschen. Das Miteinander wird sehr schwierig. Deshalb: Die Maske der Unverletzlichkeit ist eine Falle!

Schwierige Gefühle…

…vermitteln uns manchmal, „hier läuft etwas falsch!“ Oft sind sie ganz im Gegenteil ein Zeichen, dass Weiterentwicklung und Wachstum ansteht. Wir könnten stattdessen auch denken „Jetzt ist es wichtig, dranzubleiben! Es geht darum, neue Wege zu finden!“ Hilfreich wäre es auch noch, sich zu fragen, „Wie kann ich in dieser Situation gut für mich sorgen? Was nährt mich jetzt?“ Mit diesen Fragen achtsam nach innen spüren. Denn wenn ich diese schwierigen Gefühle überdecke, kann ich vielleicht kurzfristig Erleichterung spüren. Langfristig werden diese Gefühle immer drängender werden. Und wir werden merken, dass Äußeres die innere Leere nicht füllen kann!

Authentisch unvollkommen leben

Allein schon wenn ich diese Formulierung lese, spüre ich ein inneres Aufatmen. Ja sagen zu meiner jetzigen Verfassung, auch wenn nichts perfekt ist! Ich habe mein Bestes gegeben, es war nicht vollkommen, aber es war alles, was ich hatte! Und das genügt! Denn mehr war nicht drin!

So können wir unser wildes Herz stärken:

  • Unrealistische Wünsche nach Kontrolle aufgeben und einsehen, dass es gut genug ist, wenn ich mein Bestes gegeben habe!
  • Wenn ich mich einsam fühle, mich daran erinnern, dass es sicher Menschen in einer ähnlichen Situation oder Verfassung gibt. Zum Beispiel bei schwerem Liebeskummer sind wir ja manchmal geneigt zu glauben, dass es niemandem so schlecht geht, wie uns selbst. Da hilft es meistens schon, sich klar zu machen, dass es sicher andere gibt, die ähnlich fühlen. Wer mehr für sich tun möchte, kann sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun und Gemeinsamkeiten zu nutzen.
  • „Zu mir selbst gehören.“ Sobald ich Druck spüre, anders sein zu müssen, werde ich sehr wachsam. Denn ich weiß, wie schnell ich mich verliere, wenn ich mich andern zuliebe verbiege!
  • Mich trauen, mich zu zeigen, gerade dann, wenn ich mich verletzlich fühle. Denn dadurch wird es leichter, Unterstützung zu finden, die gut tut. Und falls die Maske der Unverletzlichkeit sich schon wieder vor mein Gesicht geschoben hat, weg damit!

Zu diesem Thema empfehle ich sehr die beiden Bücher von Brené Brown:

Brené Brown (2017, 2. Aufl.) Verletzlichkeit macht stark. Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden. München: Goldmann-Verlag
Hier meine Rezension

Brené Brown (2018) Entdecke deine innere Stärke. Wahre Heimat in dir selbst und Verbundenheit mit dir selbst finden. München: Kailash.
Hier meine Rezension

Höre auf, in der Welt ständig nach Bestätigung zu suchen, dass du nicht dazu gehörst.
Du wirst immer Anzeichen dafür finden, weil du es zu deiner Mission gemacht hast.
Hör auf, die Gesichter der Leute nach Beweisen zu durchsuchen, dass du nicht genug bist.
Du wirst sie immer finden, weil du es zu deinem Ziel gemacht hast.
Echte Zugehörigkeit und Selbstwert sind keine Waren; verhandle nicht über ihren Wert mit der Welt.
Die Wahrheit darüber, wer wir sind, ist in unsere Herzen geschrieben.
Sei mutig, beschütze dein wildes Herz vor ständiger Bewertung, besonders vor deiner eigenen.
               Zitat aus „Entdecke deine innere Stärke“ von Brené Brown

 

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