Verzeihen

Verzeihen, Vergeben und Versöhnen

Sie werden sehen, die Unterschiede dieser Begriffe zu klären, ist hilfreich, sein Herz zu öffnen und bereit zu werden für das Verzeihen!

verzeihen - nicht mehr zulassen, dass mich die Tat in meinem Verhalten bestimmt
















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Mir erscheint es sinnvoll, die drei Begriffe nach ihrer Wortherkunft zu unterscheiden.
Die Unterschiede klarer zu erkennen, erleichtern es, sich für den Prozess des Verzeihens zu öffnen. Viele Menschen stellen viel zu hohe Anforderungen an sich, wenn sie an „Verzeihen“ denken, und das macht es unnötig schwer!

Verzeihen

In Johann August Eberhards „Synonymischem Handwörterbuch“ finden wir zur Wortherkunft von verzeihen „verzichten“ – der Leidtragende verzichtet auf das Recht zu bestrafen. Sein Motiv kann moralisch begründet sein, weil er sich verpflichtet fühlt, großmütig zu sein und Leid nicht nachzutragen.
Wenn wir uns das bildlich vorstellen, können wir uns die Frage stellen: „Will ich mein Leid wirklich dem Täter nachtragen?“ Nicht weiter Leid nachzutragen, weil es mir nicht gut tut, darin besteht ein viel stärkeres Motiv zu vergeben als in der moralischen Pflicht. Deshalb wird Verzeihen auch als das Bedürfnis des Opfers bzw. des Leidtragenden gesehen. „Ich habe lang genug dieses Leid getragen, ich will für Heilung sorgen und die alten Verletzungen wirklich loslassen, ich will nach vorn schauen!“

Wenn es nur so einfach wäre! Wir wünschen uns sehnlichst, das Leid loszulassen, aber es ist, als ob es an uns klebt! Und wir verletzen uns immer wieder aufs Neue selbst damit!

Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen
nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht,
es nach jemandem zu werfen.
Man verbrennt sich nur selbst dabei.
Buddha

Zum Thema „Wie kann ich mich für den Prozess des Verzeihens öffnen oder bereit machen“, plane ich ein auch ein Online-Seminar und Sie können das Thema kann in einem Herzspurtreff bearbeiten.
Oder lesen Sie meine Newsletter zum Thema Verzeihen.

Vergeben

bedeutet sprachlich, „etwas Stärkeres geben.“ Früher bis heute werden bürgerliche Verbrechen mit Geldstrafen gesühnt. Vergeben heißt dann, die Schuld erlassen oder schenken. Die christliche Moral wie auch die Psychologie sind sich einig, dass Schuld im Grunde nicht vom Menschen beurteilt und deshalb auch nicht vom Menschen vergeben werden kann. Der Wunsch nach Vergebung geht vom Täter aus, der seine Tat bereut und richtet sich an eine göttliche Instanz. Für den Prozess des Verzeihens kann es hilfreich sein, wenn das Gegenüber Reue zeigt und um Vergebung bittet.
Auf der anderen Seite kann es sehr entlastend sein, zu erkennen: „Ich muss nicht vergeben! Denn ich kann nicht beurteilen, warum sich der Täter so verhalten hat oder wie groß seine Schuld ist!“

Versöhnen

kann als Fortsetzung des Prozesses von Verzeihen gesehen werden. Wer verzeihen kann, hat verstanden, was ihn verletzt hat und akzeptiert, dass es passiert ist. Er ist entschlossen, sich von dem verletzenden Ereignis nicht länger einschränken zu lassen. Oft ist damit ein Schutzbedürfnis verbunden und der Leidtragende möchte keinen Kontakt zum Täter, weil ihn das überfordern würde. Wenn nun die Wunden geheilt sind, entsteht oft der Wunsch nach Kontakt, etwa um noch etwas nachzufragen, vielleicht auch um eigene Anteile und Motive des Täters zu verstehen. „Hat der Täter mein Verhalten falsch verstanden?“ könnte eine Frage in einer gemeinsamen Auseinandersetzung sein, die den Weg wieder frei macht. Wenn es gelingt, gemeinsam Altes zu bewältigen und  einen Neuanfang zu machen, dann geht es um Versöhnung.